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Heimlicher
Missbrauch
Mai 1997: Unsere sechsjährige
Shetlandstute bringt ein Stutfohlen zur Welt. In den ersten zwei Monaten
entwickelt es sich gut, dann bekommt es immer wieder Durchfall. Unser
Tierarzt, andere Pferdehalter und Züchter sind ratlos, die Medikamente
helfen nicht. Der Durchfall kommt und geht
- unabhängig von Wurmkur, Fütterungsüberlegungen...Das Fohlen ist
trotz allem munter. Ende August, zu Fohlenbrennen – zum Glück kein
Durchfall.
In dieser Zeit schlägt
unser Hund drei- oder viermal pro Woche nachts an, meist um ein Uhr und gegen
halb vier. Wir denken an einen Fuchs oder eine fremde Katze, sind bald nur
noch Nervenbündel. Mein Mann steht auf, läßt den Hund hinaus – nichts.
Um die Weihnachtszeit
läßt sich die dreijährige Stute nicht mehr putzen, schlägt, zieht den
Schweif ein, springt hin und her. Mein Mann vermutet, daß nachts jemand
aufs Grundstück kommt. Ich widerspreche. Das Fohlen ist inzwischen
abgesetzt und im Offenstall mit anderen Jungstuten, hat immer wieder noch
Durchfall, säuft Unmengen Wasser. Wir vermuten, der Durst kommt vom
Durchfall und tränken dosiert.
11. Mai 1998: Der Hund
schlägt nachts – 2.30 Uhr – wieder an, mein Mann geht hinaus, ich höre
Geschrei, verständige die Polizei. Tatsächlich ist jemand auf dem
Grundstück: Mein Mann kommt mit einem Fremden zum Hoftor, der will gehen –
„Pony lieb, heute heiß, nichts passiert, kein Problem“. Angeblich versteht
er kein Deutsch. Als mein Mann ihn fand, war er über das Fohlen gebeugt,
hielt es am Hals fest. Dann richtete er sich auf, versuchte seine Hose zu
schließen, was ihm nicht gelang, da die Pferdehaare sich im Reißverschluß
verklemmt hatten. Fertig sah er aus, Pulli, Hose und Arme mit Kot und
Sperma verschmiert. Mittlerweile kamen nacheinander drei Streifenwagen. Die
Beamten brachten den Fremden auf die Wache, zwei nahen den Sachverhalt auf,
untersuchten das Fohlen: Scheide total geschwollen, mit Sperma verschmiert.
Ich sagte spontan: „Wirst sehen, morgen hat sie wieder Durchfall“ – genau
so war es dann. Irgendetwas hatte der Täter dem Fohlen gefüttert. Am nächsten
Morgen fotografierte die Polizei das Fohlen – mit Meßlatte, um zu beweisen,
daß diese Art der Befriedigung bequem auszuführen war. Wir erstatteten
Anzeige wegen Tierquälerei und Hausfriedensbruch. Welche Strafe der Täter
dann erhielt, weiß ich nicht.
Beobachtet hatten wir
wohl des öfteren ein Auto vor unserem Hof und auch das Kennzeichen notiert.
Fast zehn Monate hat es jedoch gedauert, bis der Täter feststand. In dieser
Zeit hatten zwei Stuten gefohlt. Nun wurde auch manches klar. Warum die
Stuten eines Morgens im Hof herum liefen, oder ein anderes Mal der Hengst,
obwohl der Riegel von den Pferden nicht geöffnet werden kann. Der Täter muß
sich auf unserem Anwesen sehr gut ausgekannt haben, lief sogar unmittelbar
unter unserem Schlafzimmerfenster vorbei. Durch eine Bekannte erfuhr ich
von zwei anderen Fällen, etwa 20 Autominuten entfernt: eine Stute leicht-,
eine schwer verletzt. Deren Besitzern
hatte die Polizei von einer Anzeige abgeraten, weil dabei sowieso
nicht herauskäme. Ich hoffe, sie taten es dennoch nachträglich. Wir
schlafen jetzt wieder ruhiger, aber so wie früher ist er nicht mehr.
(Der Name ist der
Redaktion von „freizeit im sattel“ bekannt.)
Quelle: Der Fall wurde
entnommen aus: Alexandra Schedel-Stupperich „Schutz vor heimlichem
Mißbrauch“, Freitzeit im Sattel 10/99, S. 24 ff.
Mit freundlicher
Genehmigung durch: freizeit im sattel - Fachzeitschrift rund ums Reiten,
Droste-Hülshoff-Str. 3, D - 53129 Bonn, www.freizeit-im-sattel.de
Mit freundlicher
Genehmigung der Autorin Dr. Alexandra Schedel-Stupperich.
E-mail: Alexandra.Stupperich@wkp-lwl.org
Publikationen der
Autorin (Auswahl)
Alexandra Schedel-Stupperich:
„Die Würde des Tieres als Kriminalitätsopfer“. In: Martin Liechti (Hg.):
„Die Würde des Tieres“. Harald-Fischer-Verlag, Erlangen: 2002. Seite 213
–219. ISBN 3-89131-406-X
Alexandra
Schedel-Stupperich: „Schwere Gewaltdelikte an Pferden - Phänomenologie,
psychosoziales Konstrukt und die Ableitung von präventiven
Verhaltensmaßnahmen“.
FNverlag der Deutschen
Reiterlichen Vereinigung, Warendorf: 2002. Wissenschaftliche Publikation
26. ISBN 3-88542-389-8
Buchbesprechung
Wir danken dem FNverlag
für seine freundliche Unterstützung.
www.fn-verlag.de
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